II. Venture Capital als Teil des Private Equity-Marktes
Zum einen dient Private Equity der Unternehmensfinanzierung, wird also Unternehmen direkt zur Verfügung gestellt. Zu dieser Kategorie zählt auch "Venture Capital". Venture Capital stellt jedoch nur einen Teil des Private Equity-Marktes dar: Hier wird jungen Unternehmen Eigenkapital zur Finanzierung ihrer Gründungs-, Aufbau- oder Expansionsphase zur Verfügung gestellt. Zwar gibt es keine eindeutige Definition des Begriffs Venture Capital, doch lassen sich folgende typische Besonderheiten von Venture Capital - Investitionen feststellen I:
- Der Venture Capital-Geber stellt in der Regel voll haftendes Eigenkapital und/ oder eigenkapitalähnliche Mittel für die Wachstumsfinanzierung kleiner bis mittlerer, nicht börsennotierter Unternehmen zur Verfügung.
- Darüber hinaus unterstützt der Venture Capital-Investor zur eigenen Absicherung das Beteiligungsunternehmen beratend im Managementbereich. Dem Investor werden dafür weitreichende Kontroll - und Mitspracherechte bezogen auf wichtige strategische Entscheidungen und die Verwendung der investierten Mittel eingeräumt.
- Der Venture Capital-Geber investiert mit zeitlich befristeter Perspektive von ca. fünf bis zehn Jahren, wobei die Beteiligungsverhältnisse regelmäßig mit unbegrenzter Laufzeit eingegangen werden. Die Investitionen orientieren sich eher an Kapitalgewinnen als an Ertragsausschüttungen.
- Der Venture Capital-Geber geht typischerweise eine Minderheitsbeteiligung ein. Mehrheitsbeteiligungen kommen ausnahmsweise zu Beginn einer Beteiligung in Betracht.
Die Finanzierung durch Venture Capital unterscheidet sich von der üblichen Bankenfinanzierung dadurch, dass der Investor langfristig ohne Stellung von Sicherheiten haftendes Eigenkapital zur Finanzierung bereitstellt. Der Venture Capital-Nehmer wiederum ist jedoch nicht zur Rückzahlung oder Verzinsung verpflichtet. Der Investor haftet als Partner des Gründers mit seiner Einlage und trägt dessen unternehmerisches Risiko sowie Erfolgschancen. Tatsächlich werden erfahrungsgemäß 20% bis 30% der durch Venture Capital finanzierten Unternehmen für den Investor zum Totalausfall. Nur etwa 10% bis 20% der Beteiligungen erweisen sich als wirklich erfolgreiche "high flyer"; der Rest der Unternehmen übersteht zumindest, teils besser, teils schlechter, den Konkurrenzkampf. Im 4. Quartal 2001 endeten sogar 35,8% der Investitionen in einem TotalverlustII.
Venture Capital-Investitionen sind somit ein Unterfall von Private Equity- Transaktionen. Dabei heben sich Venture Capital-Investitionen hauptsächlich durch stärkere Managementunterstützung sowie durch den Wachstumsfinanzierungscharakter der Kapitalüberlassung ab.III
Finanzierungsbeispiele für Venture Capital nach Phasen IV:
- Early Stage
Seed Capital ist die Finanzierung der Ausarbeitung und Umsetzung einer Idee in verwertbare Resultate, bis hin zum Prototyp, auf deren Basis ein Geschäftskonzept für ein zu gründendes Unternehmen erstellt wird. Als Start-up financing bezeichnet man die Gründungsfinanzierung eines Unternehmens. Das betreffende Unternehmen befindet sich im Aufbau oder ist seit kurzem im Geschäft und hat seine Produkte noch nicht oder nicht in größerem Umfang verkauft.
- Expansion financing
Bei der Wachstums- und Expansionsfinanzierung hat das betreffende Unternehmen den break-even point erreicht oder erwirtschaftet Gewinne. Die Geldmittel werden zur Finanzierung von zusätzlichen Produktionskapazitäten, zur Produktdiversifikation oder Marktausweitung und/oder für weiteres "working capital" verwendet.
- Late Stage
Beim Bridge Financing (Überbrückungsfinanzierung) werden einem Unternehmen finanzielle Mittel zur Vorbereitung des Börsengangs vor allem mit dem Ziel der Verbesserung der Eigenkapitalquote zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle vollzieht sich der Übergang von Venture Capital-Markt zum Private Equity-Markt, denn in dieser Phase kommen die klassischen Buy-outs (MBO und MBI) sowie Leveraged Buy-outs (LBO) in Betracht (vgl. III.).
- Turnaround financing
Anlagen in einem Unternehmen, das sich nach Überwindung von finanziellen oder wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder aufwärts entwickeln soll, werden mit dem Ziel der Sanierung des Unternehmens getätigt.
I Alles in Anlehnung an: Laub, Venture-Capital-Markt, 1985; Schüppen/ Ehlermann, Corporate Venture Capital, S. 1; Schefczyk, Finanzieren mit Venture Capital, S. 9.
II In Anlehnung an: Weitnauer, Handbuch Venture Capital, S. 7.
III In Anlehnung an: Schüpper/ Ehlermann, Corporate Venture Capital, S. 2
IV Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften German Venture Capital Association e.V.
Stiftung "Deutsches Venture Capital Institut" (DVCI)
- Öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in München -
c/o P+P Pöllath + Partner
Kardinal-Faulhaber-Str. 10 80333 München
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